Üppig, urig, einfallsreich
Nachdem vor rund drei Jahren das Pächter-Ehepaar Claudia Stubbe und Walter LehmenStubbe die traditionsreiche Wirtschaft «Mein lieber Schwan» in der Altstadt übernommen hatte, sprach sich schnell herum, dass es nun wieder ein fränkisches Restaurant mit anspruchsvoller Küche (zu gehobenen, aber angemessenen Preisen) in Erlangen gibt, dessen Besuch sich lohnt. Zehn Jahre lang hatten die Zwei zuvor bereits erfolgreich den «Schwarzen Adler» in Uttenreuth geführt und sich einen Namen gemacht. Konsequenz: Gerade zur Weihnachtszeit ist es sinnvoll, einen Tisch zu reservieren. Schließlich sind hier in den kommenden Tagen viele Gesellschaften zu Gast.
Historisches Gebäude
Was ist nun das Besondere am «Schwan»? Da ist zum Einen das Ambiente. Im Inneren des historischen Gaststätten-Gebäudes, das Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut wurde, hat man beim Umbau vor drei Jahren den Sandstein und das Fachwerk freigelegt. Elegantes Interieur trifft hier nun auf uriges Ambiente. Auch die Philosophie der Küche setzt auf Neues und Bewährtes. So hält man etwa an der fränkischen Tradition der üppigen Portionen fest, kombiniert mit leichter Hand zugleich heimische Produkte und Rezepte mit internationalen Kniffen. Hier steht dann etwa als Vorspeise auch ein «Ackersalat» auf der Karte und bei den Desserts wird gerne mit der leider oft unterschätzten Quitte experimentiert.
Bei den Hauptgerichten waren wir bei unserem Besuch von der Landmastgans entzückt. Der Zusatz «rösch gebraten» auf der Karte war ein Versprechen, das zu 100 Prozent eingelöst wurde (15,90 Euro). Und der Kartoffelbrei in Apfelform war wirklich ein gelungener und schmackhafter Gag! Die «Lammfilets in der Knoblauchkruste gebraten» (16,90) wurden punktgenau aus der Pfanne genommen. Sehr fein auch die Medaillons von der Rehkeule in Haselnusspanade (15,90). Bei den Fischgerichten (14,50-16,90) überzeugten nicht zuletzt die einfallsreichen Beilagen wie Kürbispüree mit Belugalinsen oder Safranrisotto mit Broccoliröschen. Der Service ist freundlich und kompetent. Die Weinauswahl ist durchdacht und das Bier der Neumarkter Lammsbräu mundet ohnehin.
Wie würde der verwöhnte Franke dazu sagen: «Mein lieber Schwan, war das gut!»
smö, aus den Erlanger Nachrichten
18.12.2009
Der Saucen-Freak
Mein lieber Schwan! Das klingt im Fall des Erlanger Restaurants gleichen Namens verheißungsvoll. Walter Lehmen-Stubbe, der den «Schwarzen Adler» in Uttenreuth zu einer Adresse für Feinschmecker hochgekocht hat, übernahm 2006 das Traditionshaus an der Erlanger Hauptstraße und offeriert nun in den geschmackvoll eingerichteten Räumen leckere und originelle Gerichte.
Man bestelle sich aus der gut zusammengestellten Karte als Vorspeise die sternewürdig gegrillten Jakobsmuscheln auf schwarzem Risotto, der mit Aceto Balsamico parfümiert und mit Fischfond aufgeschäumt wurde (9 Euro). Fast ohne Zutun zergehen die Muscheln auf der Zunge.
Der Kreativkoch ist ein Saucen-Freak. Sowohl bei den raffiniert zubereiteten Fischgerichten wie beim St. Pierre Filet in Bärlauchbutter (13.50 Euro) als auch bei der Entenbrust in Orangensauce (13.50 Euro) beweist er sich als Könner. Lammfilets in der Knoblauchkruste mit Kartoffelgratin und Bohnengemüse sind ein kulinarischer Klassiker (15.50 Euro), an dem man nicht vorbeigehen sollte.
Wer mehr von der abwechslungsreichen Karte probieren möchte, sollte halbe Portionen bestellen. Was auf den Teller kommt, orientiert sich nämlich an den zur Völlerei neigenden Franken. Das gilt für die Lachstranchen auf Bärlauchnudeln, für das Eglifilet wie für den Spießbraten mit Zwiebelsauce. Der allgegenwärtigen Claudia Stubbe, Ehefrau des Patrons, ist es vornehmlich zu verdanken, dass auch schmackhafte vegetarische Gerichte wie Hirsebratlinge, Spinatlasagne und verschieden gefüllte Ravioli die Karte zieren.
Chef Walter Lehmen, ein Winzersohn von der Mosel, hat seine Lehrjahre bei Top-Köchen wie Lothar Eiermann und Pierre Pfister absolviert. Gelernt ist gelernt: Nicht außer Acht lassen sollte man seine köstlichen Desserts wie Crêpes Normande mit Walnusseis (4,70 Euro) oder Mohnküchle auf Rhabarberschaum (4.70 Euro).
Das massive Sandsteinhaus hat in den 70er Jahren durch Hausbesetzungen traurige Berühmtheit erlangt. Heute ist das Restaurant im ersten Stock, im Parterre lädt das urgemütliche Bistro ein, in dem es auch eine Karte für den kleinen Hunger gibt. Ausgeschenkt werden die Öko-Biere der Neumarkter Lammsbräu und diverse Weine, darunter der empfehlenswerte trockene Riesling des Lehmen-Bruders aus Zell an der Mosel.
Diethard Hennig, aus den Nürnberger Nachrichten
02.04.2007